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Eine
grundlegende Untersuchung über die Krankheit Alkoholismus
stammt von dem amerikanischen Professor Dr. E. M. Jellinek. Im
Auftrag der WHO (World Health Organisation,
Weltgesundheitsorganisation) untersuchte er mehrere tausend
Fallgeschichten von Alkoholikern und faßte das Ergebnis in
ein Schema von 4 Phasen und - innerhalb dieser - 45 Symptomen
zusammen. Auf der Grundlage dieser Untersuchung wurde Alkoholismus
durch die WHO als Krankheit anerkannt.
Die von Jellinek beschriebenen Phasen
- - Vorphase
- - Anfangsphase (1 bis 7)
- - Kritische Phase (8 bis 30)
- - Chronische Phase (ab 31)
Die Übergänge zwischen den Phasen sind fließend und
nicht jeder Betroffene muß alle Symptome entsprechend der
vorgegebenen Reihenfolge erleben.
Die innerhalb der Phasen beschriebenen 45 Symptome stellen jedoch
besonders typische Merkmale der fortschreitenden Suchterkrankung
dar, die im Einzelfall bedingt durch die jeweilige Lebenssituation
und Persönlichkeit des Betroffenen unterschiedlich
ausgestaltet sein können. Die Symptome treten häufig,
aber durchaus nicht immer erstmalig in der Phase auf, in der sie
beschrieben sind. Ist ein Symptom einmal aufgetreten, wird es in
der Regel beibehalten und prägt sich im weiteren Verlauf der
Suchterkrankung weiter aus. Einzelne Symptome können
übersprungen werden, auch nicht erwähnte Merkmale
können evtl. hinzukommen. Der entscheidende Vorteil dieses
Symptomenkataloges liegt darin, daß er es dem
Suchtmittel-Abhängigen ermöglicht, seine
Abhängigkeit und deren Entwicklungsstand selbst zu erkennen.
Das Jellinek-Schema ist somit ein Instrumentarium zur
Selbstdiagnose.
A) Voralkoholische Phase
Gelegentliches Erleichterungstrinken Erhöhung der
Alkoholtoleranz Häufiges Erleichterungstrinken.
Der erste Beginn des Konsums alkoholischer Getränke ist bei
dem potentiellen Alkoholiker meist sozial motiviert, wie bei jedem
anderen auch. Im Gegensatz zum durchschnittlichen
Gesellschaftstrinker empfindet der spätere Alkoholiker bald
eine befriedigende Erleichterung beim Trinken. Dabei schreibt er
seine Erleichterung eher der Situation als dem Trinken zu, z.B. der
lustigen Gesellschaft, dem Fest, dem Kegeln oder Skatspielen usw.;
daher sucht er Gelegenheiten, in denen beiläufig getrunken
wird.
Nach einer bestimmten Zeit des Trinkens wird eine Erhöhung der
Alkoholtoleranz festgestellt, d.h. der Trinker braucht eine
größere Menge Alkohol als früher zur Erreichung des
gewünschten euphorischen Stadiums. Diese Trinkmethode dauert
je nach Umständen Monate und Jahre, - sie geht vom Stadium des
gelegentlichen zum häufigeren Erleichterungstrinken über.
Im gleichen Maße fällt die Toleranz des Trinkers
für seelische Belastungen in solch einem Umfang ab, dass er
praktisch täglich Zuflucht zur alkoholischen Erleichterung
nimmt. Sein Trinken erscheint jedoch weder seinen Angehörigen,
Freunden noch ihm selbst verdächtig.
B)
Anfangsphase
1. Gedächtnislücken
Plötzliches Auftreten von Erinnerungslücken -
medizinisch Amnesien genannt. Sie können ohne Anzeichen von
Trunkenheit auftreten. Der Trinker kann eine vernünftige
Unterhaltung führen oder schwierige Arbeit leisten, ohne am
nächsten Tag eine Erinnerung daran zu haben, wenn auch noch
einzelne Erinnerungsfetzen bestehen. Der Alkohol hört
praktisch auf, ein Getränk zu sein, sondern er wird als
"Medizin" benötigt, die der Trinker braucht.
2. Heimliches Trinken
Aus dem Unterbewussten entwickelt sich bei dem Trinker die
vage Vorstellung, dass er anders als andere Leute trinkt. Um nun
nicht aufzufallen oder falsch beurteilt zu werden, sucht er bei
Geselligkeiten Gelegenheiten zum Trinken von ein paar Gläsern
ohne das Wissen der anderen; er trinkt "heimlich".
3. Dauerndes Denken an Alkohol
Ohne sich dessen recht bewusst zu werden, denkt der Trinker
oft und über das normale Maß hinaus an Alkohol, ein
Beweis für seinen erhöhten Bedarf.
4. Gieriges Trinken
Wegen seiner vermehrten Alkoholabhängigkeit tritt jetzt
das "gierige Trinken", nämlich das hastige Herunterkippen der
ersten Gläser, auf.
5. Schuldgefühle wegen der Trinkart
Da der Trinker sich allmählich bewusst wird, dass sein
Trinken ungewöhnlich ist, entwickeln sich bei ihm
"Schuldgefühle" wegen seiner Trinkart.
6. Vermeiden von Anspielungen auf Alkohol
Aus dem vorgenannten Schuldgefühl heraus beginnt der
Trinker, bei Unterhaltungen "Anspielungen auf Alkohol" zu
vermeiden.
7. Häufigkeit der Gedächtnislücken
Die Häufigkeit von Gedächtnislücken, in
Verbindung mit dem Verhalten 2.-6., wirft den Schatten der
Alkoholsucht voraus und sollte dem Trinker als dringende Warnung
dienen.
C) Kritische
Phase
8. Unwiderstehliches Verlangen nach mehr Alkohol nach dem ersten
Glas (Kontrollverlust)
Es ist das Stadium erreicht, in dem bei dem Trinker ein
unwiderstehliches Verlangen nach mehr Alkohol entsteht, sobald eine
kleine Menge Alkohol in seinen Körper gelangt ist. Dieses
Verlangen wird als zwingender Bedarf empfunden und hält
gewöhnlich an, bis der Trinker zu betrunken oder zu krank
für eine weitere Alkoholaufnahme ist. Dieser alkoholische
Exzess, medizinisch Alkoholabusus genannt, braucht nicht durch
irgendein persönliches oder psychisch bedingtes Bedürfnis
eingeleitet zu werden, sondern kann aus einer "harmlosen"
gesellschaftlichen Gelegenheit entstehen. Der "Kontrollverlust"
bedeutet nicht, dass der Trinker immer trinken muss, er setzt
vielmehr erst während des Trinkens und durch das Trinken
ein.
Der Trinker hat in der konkreten Situation noch immer die
Entscheidungsfreiheit darüber, ob er trinken will oder nicht
Das wird allein durch die freiwilligen abstinenten Perioden
bewiesen, die oft nach derartigen Exzessen eingehalten werden.
In diesem Zusammenhang wird oft die Frage erhoben, warum der
Trinker nach seinen verhängnisvollen Erfahrungen
anlässlich seiner wiederholten Exzesse denn dann immer wieder
anfängt zu trinken. Er ist in diesem Stadium bereits
alkoholabhängig geworden, wenn es ihm auch nicht bewusst ist.
Sein Wille in Verbindung mit Alkohol ist mindestens
beeinträchtigt, er selbst jedoch glaubt, dass er seine
diesbezügliche Willenskraft nur vorübergehend verloren
hat und sie daher wiedererlangen kann und muss. Er ist sich jedoch
darüber nicht im klaren, dass in ihm ein Vorgang
(Abhängigkeitserkrankung) abgelaufen ist, der es ihm
unmöglich macht, seinen Alkoholkonsum über längere
Zeiträume hinweg einzuschränken oder zu
kontrollieren.
9. Erklärungen, warum man so trinke (Alkoholausreden,
Alibis)
Mit dem Einsetzen des Kontrollverlustes beginnt der
Alkoholiker sein Trinkverhalten zu erklären und schafft sich
durch "Alkoholausreden" Alibis, d.h. Erklärungen, die ihn
selbst davon überzeugen sollen, dass er die Kontrolle nicht
verloren hat. Er redet sich selbst ein, dass er "guten" Grund zum
Sichbetrinken habe und er ohne "diesen" Grund genauso
mäßig oder überhaupt nicht wie die anderen trinken
könne. Hier setzt der große unbewusste Selbstbetrug des
Alkoholikers ein und damit verbunden der Betrug an seiner
Umwelt.
10. Soziale Belastungen
Dieser Selbstbetrug ist nun beim Alkoholiker der Anfang eines
ganzen "Erklärsystems", das sich immer mehr auf jede Ebene
seines Lebens ausbreitet. Dieses "System" dient nun auch als
Widerstand gegen die "sozialen Belastungen", die zusammen mit dem
"Kontrollverlust" entstehen. Seine Trinkart fällt unterdessen
auch der Umwelt auf. Angehörige, Freunde, Kollegen und
Arbeitgeber beginnen, den Alkoholiker zu tadeln oder zu warnen.
11. Übergroße Selbstsicherheit
Auf das Verhalten der Umwelt reagiert der Alkoholiker mit
"übergroßer Selbstsicherheit" nach außen, obwohl
bei ihm selbst ein deutlicher Verlust an Selbstachtung einsetzt. Er
versucht, diesen Verlust durch Extravaganz und Großspurigkeit
zu kompensieren, um sich selber davon zu überzeugen, dass er
noch nicht so schlecht dran ist, wie er manchmal gedacht habe.
12. Auffällig aggressives Benehmen (die anderen sind
schuld)
Durch sein "Erklärsystem" isoliert sich der Alkoholiker
in zunehmendem Maß von seiner Umwelt, die in seinen Augen an
allem schuld ist. Auf dieses angebliche "Schuldsein" der Umwelt
reagiert er dann mit auffällig aggressivem Benehmen.
13. Innere Zerknirschung, dauerndes Schuldgefühl (Anlass
zum erneuten Trinken)
Das auffällige Verhalten des Alkoholikers gegenüber
seiner Umwelt reflektiert auf ihn selbst und ruft nun auch in ihm
Schuldgefühle hervor, die zur inneren Zerknirschung
führen. Diese Zerknirschung sucht er erneut mit Alkohol zu
überspielen, und so setzt der circulus vitiosus (Teufelskreis)
ein.
14. Perioden völliger Abstinenz
Bisweilen gelingt es dem Alkoholiker, diesen "circulus
vitiosus" zu durchbrechen, indem er Perioden völliger
Abstinenz durchläuft. Dabei folgt er dann auch dem zunehmenden
sozialen Druck.
15. Änderung des Trinksystems
Die abstinenten Perioden führen jedoch wieder zum
Rückfall, da er seinem Grundübel, dem "Selbstbetrug",
nicht begegnet und daher dem ständigen inneren Druck nicht
standhält. Aus diesem "Selbstbetrug" heraus ändert der
Alkoholiker jetzt sogar sein Trinksystem, indem er sich selber
"Regeln" aufstellt, so z.B. nicht vor einer bestimmten Tageszeit zu
trinken oder nur an bestimmten Orten, oder nur diese und jene Art
und Menge Alkohol zu trinken, usw.
16. Fallenlassen von Freunden (Feindseiligkeit gegen die
Umwelt)
Die Umwelt erkennt natürlich die Änderung der
Verhaltensweise des Alkoholikers, entlarvt ihn ob seiner
"scheinbaren" Abstinenz und durchschaut die Änderung seines
"Trinksystems". Darauf reagiert der Alkoholiker mit Feindseligkeit
und lässt seine Freunde fallen.
17. Verlassen oder Wechseln des Arbeitsplatzes
Das Verlassen oder Wechseln des Arbeitsplatzes ist nur eine
Konsequenz aus seinem feindseligen Verhalten gegenüber der
Umwelt. Freunde und Bekannte lassen den Alkoholiker fallen, oft
verliert er auch den Arbeitsplatz. In vielen Fällen
übernimmt er auch in dieser Richtung selber die Initiative als
vorausschauende Verteidigung und zum Sich- Entziehen unliebsamer
Tadel und Mahnungen.
18. Konzentrierung des Benehmens auf Alkohol
Da sich der Alkoholiker immer mehr verlassen sieht,
konzentriert er sich im verstärkten Maß auf den Alkohol
als "Medizin und Seelentröster".
19. Verlust an äußeren Interessen
Der Alkoholiker denkt darüber nach, wie eine bestimmte
Arbeit sein Trinken stören könnte (statt umgekehrt) und
lehnt alle Interessen ab, die ihn daran hindern können.
20. Neuauslegung mitmenschlicher Beziehungen
Im Alkoholiker verstärkt sich zunehmend das Gefühl,
dass die Umwelt an seinem Fehlverhalten schuld sei. Dieses
Gefühl ruft in ihm eine immer stärker werdende
Anspruchshaltung hervor, aus der heraus er nur noch den Wert oder
Unwert seiner mitmenschlichen Beziehungen bemisst.
21. Auffallendes Selbstmitleid
Diese Auslegung seiner mitmenschlichen Beziehungen ist mit
einem auffallenden Selbstmitleid verbunden. Er kann doch nichts
dafür, die anderen wollen ihm doch immer etwas!
22. Gedankliche oder tatsächliche Flucht
Sein "Erklärsystem", seine "Isolation" und sein
"Selbstmitleid" haben jetzt derartige Formen angenommen, dass der
Alkoholiker versucht, sich den daraus entstandenen Problemen durch
gedankliche Flucht (sich selber etwas vorgaukeln und gedanklich in
eine bessere Atmosphäre versetzen) oder tatsächliche
(geographische) Flucht zu entziehen.
23. Änderungen im Familienleben
Unter dem Eindruck dieser Vorfälle tritt eine
Änderung im Familienleben ein. Nicht nur der Alkoholiker hat
sich zunehmend isoliert, sondern auch seine
Familienangehörigen ziehen sich zunehmend von ihm zurück.
Auch entwickeln sie eine ausgiebige Betriebsamkeit, um dadurch der
häuslichen Umgebung zu entkommen.
24. Grundloser Unwillen
Der Alkoholiker selbst lebt jetzt in einem anhaltenden
Spannungszustand, der oft bei ihm grundlosen Unwillen
auslöst.
25. Sichern des Alkoholvorrats
Das vorherrschende Interesse an Alkohol veranlasst den
Alkoholiker, sich seinen "Alkoholvorrat" immer zu sichern, wobei er
auch dazu übergeht, ihn zu verstecken.
26. Vernachlässigung angemessener Ernährung
Sowohl das "Sichern des Alkoholvorrats" als auch die ersten
Auswirkungen auf den Organismus durch das ständige Trinken
(Appetitlosigkeit) bringen den Alkoholiker dazu, seine
Ernährung zu vernachlässigen bzw. sich völlig
einseitig zu ernähren (Kotelett, Frikadellen, Würstchen,
Brühen usw. - Vitaminmangel).
27. Erste Krankenhauseinweisung wegen alkoholischen
Beschwerden
Die ersten organischen Schäden werden akut (Gastritis,
Leberschäden, neurotische Störungen), stationäre
Behandlung wird erforderlich.
28. Abnahme des Sexualtriebes
Während sich zu Beginn der Trinkerzeit eine erhöhte
Potenz bemerkbar machte und an die Ehefrau oft unzumutbare
Forderungen gestellt wurden, zeigt sich jetzt eine zunehmende
Impotenz des Alkoholikers.
29. Alkoholische Eifersucht
Auf Grund der eigenen zunehmenden Impotenz steigert sich beim
Alkoholiker die Feindschaft gegen seine Ehefrau. Er unterstellt ihr
außerehelichen Geschlechtsverkehr und verfällt dadurch
in die "alkoholische Eifersucht". Reaktionen seiner Ehefrau auf
sein Fehlverhalten werden von ihm grundsätzlich
missverstanden, ein anderer Mann wird dahinter vermutet.
30. Regelmäßiges morgendliches Trinken
In diesem Stadium haben Gewissensbisse, Unwillen, Kampf
zwischen Alkoholverlangen und Pflichten, Verlust der Selbstachtung
und Selbstmitleid, Zweifel und Selbsttäuschung den Alkoholiker
so zerrüttet, dass er den Tag nicht beginnen kann, ohne sich
nach dem Aufstehen oder noch vorher mit Alkohol zu beruhigen. Ja,
er kann schon seine Arbeit ohne Alkohol nicht mehr ausführen.
Durch den bisherigen Prozess des Alkoholismus ist die moralische
und körperliche Widerstandskraft des Alkoholikers schon
völlig untergraben.
D) Chronische
Phase
31. Einsetzen des verlängerten Rausches
Die zunehmend beherrschende Rolle des Alkohols und das durch
das morgendliche Trinken entstandene "Verlangen" brechen
schließlich den Widerstand des Alkoholikers. Er ist jetzt
auch am hellen Tag und bisweilen öfters in der Woche
betrunken. Oft verharrt er mehrere Tage hintereinander in diesem
Zustand, so dass er dem "verlängerten Rausch" unterliegt, bis
er völlig unfähig ist (geistig und körperlich), noch
etwas zu unternehmen.
32. Bemerkenswerter ethischer Abbau
Die mit diesen anhaltenden Exzessen verbundene
Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt haben bei dem
Alkoholiker einen erheblichen ethischen Abbau zur Folge.
33. Beeinträchtigung des Denkens
Auch das Denkvermögen weist erhebliche
Ausfallerscheinungen auf Sachliche Überlegungen vermag der
Alkoholiker nicht mehr anzustellen, seine Gedanken verfolgen nur
noch "krumme Wege".
34. Alkoholische Psychosen
Bei vielen Alkoholikern treten in diesem Stadium die ersten
"alkoholischen Psychosen" auf, das sind durch Alkohol bedingte
Geistesstörungen, Halluzinationen, psychosomatische und
psychoasthenische Reaktionen.
35. Trinken mit Personen unter Niveau
Der Verlust der Moral und oft auch der Verlust der eigenen
sozialen Stellung bewirken häufig, dass der Alkoholiker nach
dem Motto: "Unter den Blinden ist der Einäugige König"
mit Personen weit unter seinem Niveau trinkt, oder allgemeiner: mit
Personen, mit denen er sonst im Leben kaum Kontakt suchen
würde.
36. Zuflucht zu technischen Produkten
Wenn der Alkoholiker nichts anderes hat oder seine
finanziellen Mittel nicht mehr ausreichen, nimmt er zur
Befriedigung seiner Gier Zuflucht zu technischen Produkten, wie
Kölnisch Wasser oder Haarwasser, Franzbranntwein oder
minderwertigem Wermut.
37. Verlust der Alkoholtoleranz
Geistige und körperliche Widerstandskraft sind abgebaut,
der Alkoholiker benötigt keine große Menge mehr, um in
den Vollrausch zu kommen. Jedoch der Vollrausch wird in seiner
Wirkung immer kürzer. Das Trinken wird daher immer hektischer,
der circulus vitiosus rotiert immer schneller.
38. Undefinierbare Ängste und Zittern werden
Dauererscheinungen
Anhaltendes Zittern (Tremor),
39. ständige Niedergedrücktheit
(Depression), Angstzustände (traumatische Neurosen) sind
in diesem Stadium Symptome beim Alkoholiker, die auftreten, sobald
in seinem Organismus kein Alkohol mehr vorhanden ist. Die ersten
prädeliranten Zustände treten auf. Diese Zustände
versucht der Alkoholiker dann wiederum mit Hilfe von Alkohol unter
Kontrolle zu bekommen bzw. sie damit zu überbrücken
40. Organische Nervenschädigungen
(Polyneuropathie)
Infolge der chronischen Alkoholintoxikation (Vergiftung) treten
länger dauernde Schädigungen des peripheren Nervensystems
auf, die also auch noch nach dem Entzug Störungen verursachen:
Kribbeln und Taubheitsgefühle (sensibles Nervensystem), Greif-
und Gangstörungen (motorisches Nervensystem) - vorwiegend in
Händen, Armen, Füßen, Beinen.
41. Trinken wird Besessenheit
Aus der Notwendigkeit heraus, Ängste, Zittern, Hemmungen
usw. zu überwinden, sieht der Alkoholiker sich gezwungen,
ständig zu trinken. Damit nimmt sein Trinken den Charakter der
Besessenheit (Obsession) an.
42. Unbestimmte religiöse Wünsche
Da der Alkoholiker für sein Fehlverhalten, das er
allmählich als solches erkannt hat, immer weniger eine
Erklärung findet, gibt er sich dubiosen "religiösen"
Vorstellungen hin, die sich bis zum "religiösen Wahn" steigern
können.
43. Das Erklärsystem versagt
Aber auch die vorerwähnten "religiösen Vorstellungen
und Wünsche" vermögen dem Alkoholiker keine Antwort auf
seine ständige Frage nach dem "Warum" zu geben. Die
Erklärungen, die er sich aus seinem eigenen
"Erklärsystem" gibt, werden so häufig und unbarmherzig
der Wirklichkeit gegenübergestellt, dass sie vollständig
versagen. Er weiß sich keine Antwort mehr und gesteht seine
Niederlage ein.
44. Zusammenbrüche
Als Folge dieser Niederlagen ergeben sich für den
Alkoholiker seelische Zusammenbrüche, oft verbunden mit der
"alkoholischen Epilepsie". Diese Zusammenbrüche sind oft so
schwerer Natur, dass die ärztliche Behandlung unbedingt
notwendig ist. Selbstmordversuche sind in diesem Stadium nicht
selten.
45. Alkoholdelirium
Beim Alkoholiker tritt - meist im Entzug - ein hochgradiger
Verwirrtheitszustand auf, mit Wahnideen und schwerer motorischer
Unruhe (evtl. mit Fieber verbunden; der Ausgang kann tödlich
sein). Wird in dieser Stufe (Endstufe) das Stadium der
Korsakow'schen Erkrankung erreicht, ist die Zerstörung der
Gehirnzellen irreparabel.
Korsakow-Syndrom: psychischer Folgezustand nach schweren toxischen,
infektiösen, traumatischen oder arteriosklerotischen
Hirnschädigungen.
Symptomkomplex, der gekennzeichnet ist durch hochgradige
Störungen der Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Auffassung
und Reproduktion sowie Gedächtnisausfälle, die durch
Erinnerungsfälschungen (Konfabulationen) ersetzt werden;
daneben zeitliche und örtliche Desorientierung, euphorische,
später stumpfe und gleichgültige Stimmungslage,
Initiativlosigkeit und rasche Ermüdbarkeit.
Der Alkoholische Korsakow (Korsakow-Psychose) beginnt meist mit
einem Delirium tremens und ist oft verbunden mit der alkoholischen
Polyneuropathie.
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http://www.aa-heute.de 05.02.2010
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